04.02.2015

Interview mit Hans R. Emser

Der Deutsche Hans R. Emser ist seit 2008 beim Thai Premier League Club Bangkok Glass FC als Leiter des Fußball-Jugendleistungszentrums, tätig. Hier zählt auch die Weiterbildung der Jugendtrainer des südostasiatischen Proficlubs dazu. Im Interview erzählt der Deutsche über sein Leben in Thailand, die Entwicklung des thailändischen Fußballs und die Partnerschaft mit Bayer 04 Leverkusen.

FuBo: Sie sind seit 2008 in Thailand für den Bangkok Glass FC tätig. Wie kam es zu diesem Engagement und wie haben Sie mögliche kulturelle sowie sprachliche Hürden gemeistert?

Hans R. Emser: 2007 war ich mit meinem Freund und Kollegen Eckart Krautzun bei den Sea Games in Thailand. Das sind die Süd Ost Asien Spiele. Wir beobachteten die Fußballspiele, um uns einen Überblick zum Leistungsniveau zu machen. Am Rande der Spiele lernte ich den stellvertretenden General Sekretär des thailändischen Fußball Verbandes kennen der  mich dann später nach Khon Kaen, einlud. Bei einem Meeting traf ich Herrn Pavin Bhirom Bhakdi, den Präsidenten von Bangkok Glass FC. Ich machte mir damals noch keine Gedanken über ein Engagement in Thailand, da ich zu diesem Zeitpunkt mit Professor Felder in Saarbrücken zusammenarbeitete und hier die Frauen Bundesligamannschaft übernehmen sollte.  Im Frühjahr 2008 bekam ich dann einen Anruf, ob ich mir vorstellen könnte bei Bangkok Glass aktiv zu werden. Das von Herrn Pavin Bhirom Bhakdi vorgestellte Konzept überzeugte mich. Auch Hartwig Schüler, ein deutscher Geschäftsmann in  Thailand, machte mir Mut diese Aufgabe zu übernehmen. Ich flog nach Thailand und unterschrieb  einen Dreijahres Vertrag, nebenbei lernte ich auch meine thailändische Ehefrau kennen. Natürlich war es am Anfang schwierig, andere Kultur, andere Sprache, anderes Essen. Aber viele halfen mir - besonders meine Ehefrau und Hartwig Schüler. Der Präsident, Herr Pavin Bhirom Bhakdi, sagte damals zu mir “Take your time and you understand the Thai”. Heute habe ich keine Probleme mehr und bin nun schon seit 7 Jahren hier.

Hans R. Emser (Mitte) und das U 18 Team von Bangkok Glass FC©H.R.E.

Was sind hier Ihre Aufgaben? Können Sie uns einen Einblick in Ihren Alltag geben?

Als ich 2008 anfing, war das erste Ziel der Aufbau eines Fußball Jugendleistungszentrums. Doch plötzlich kam mehr dazu: ich war zusätzlich Cheftrainer der Thai Premier Ligue Mannschaft und führte sie auf Platz 1 in der  Liga.  Heute ist meine Hauptaufgabe die sportliche Weiterentwicklung der jungen Spieler in der Akademie und die Ausbildung der Jugendtrainer. Ich fahre jeden Morgen um 9 Uhr in mein Büro, mache meine  Büro Tätigkeiten und stehe auch nachmittags auf dem Platz und das täglich, weil bei uns jeden Tag trainiert wird. Und es macht sehr viel Freude die positive Entwicklung der jungen Spieler, nicht nur im Fußball, sondern auch in der Schule, im Leben hautnah zu verfolgen. Dann erfüllt es einen  mit ganz besonderer Freude, wenn einer der Jungs den Sprung in die Profimannschaft schafft. Wie dieses Jahr Siwakorn Sangwong, vom Jahrgang 1997.

Bangkok Glass FC hat zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte den Thai FA Cup gewonnen und sich damit einen Play-off Platz für die AFC Champions League gesichert. Wie wichtig ist dieser Erfolg für den Verein?

Der Gewinn des Thai FA Cup dieses  Jahr ist für uns ganz besonders wichtig, weil er uns  die Chance gibt an einem internationalen Wettbewerb, der AFC Champions League teilzunehmen. Das war immer das Ziel unseres Präsidenten Pavin Bhirom Bhakdi. Es öffnet dem Verein internationale Möglichkeiten und unser Club hat das Potential in Asien weiter aufzusteigen.

Bagkok Glass FC gewinnt den Thai FA Cup 2014©H.R.E.

Wie würden sie das Niveau der heimischen Thai Premier League einstufen? Welche Unterschiede existieren zu anderen Ligen (Amerika/Europa)?

Das ist schwer zu sagen. Also ich denke, die fünf besten Mannschaften Thailands, und dazu zähle ich auch unser Team von Bangkok Glass, hat durchaus die Qualität mit einem Profi Drittligisten in Deutschland mitzuhalten. Und der deutsche Fußball ist ja zurzeit der beste auf der Welt.

Durch ihre Arbeit als technischer Direktor und Jugendkoordinator haben sie jeden Tag mit jungen Talenten zu tun. Wie sehen Sie hier die Entwicklung der letzten Jahre? Welche Talente haben die Voraussetzungen den Sprung in eine europäische Liga zu schaffen?

Fußball Talente gibt es hier in Thailand genug. Wir sichten sie und wenn sie gut genug für unsere hohen Ansprüche sind nehmen wir sie und bilden sie dann über einen Zeitraum von rund 6-7 Jahren aus. Genau wie in Deutschland. Ob sie dann den Sprung nach Europa schaffen können? Man müsste es mal probieren. Leider ist Thailand noch nicht im Fokus der Profi Clubs in Europa. Das wird sich aber die nächsten Jahre ändern, denke ich. Ich würde gerne mal einen Test spielen mit unserer U 18 von Bangkok Glass FC, Jahrgang 1997, gegen eine deutsche U 17 Mannschaft der Jugend Bundesliga. Ich glaube wir würden uns ganz gut aus der Affäre ziehen.

Die Thailändische Fußball-Nationalmannschaft ist auf Platz 144 der FIFA-Weltrangliste. Wo sehen sie den größten Nachholbedarf beim Thailändischen Fußball?

Platz 144 in der Weltrangliste drückt nicht das richtige Leistungsvermögen aus. Eine neue  Generation von 22/23 Jahre alten Spielern ist jetzt da, die Thailand wieder zur Nr. 1 in Südostasien gemacht haben. Nach einer langen Durststecke wurde die thailändische Fußball Nationalmannschaft 2014 Südostasien Meister und Gewinner bei den Sea Games. Bei den Asienspielen belegten sie Platz vier. Das kommt  von einer guten Entwicklung der TPL, also der Profi Liga. Und diese positive Entwicklung wird weitergehen. Wenn es Thailand dann schafft endlich Club Jugend Ligen einzurichten wird eine  Entwicklung, ähnlich wie in Japan oder Süd Korea, einsetzen. Hier ist die Thai FA gefordert, das umzusetzen. Wir bei  Bangkok Glass FC sind bereit.

Die englische Premier League ist in Südost-Asien sehr präsent. Wie sieht es da mit der deutschen Bundesliga aus? Interessieren sich die Thailänder für den deutschen Fußball?

Die Engländer mit ihrer Premier League sind schon seit Jahrzehnten  in Südostasien, speziell hier in Thailand, im Fernsehen sehr präsent. Die Bundesliga wurde erst später auf diesen großen Markt aufmerksam. Im letzten Jahr konnte man auch Spiele der deutschen Fußball Bundesliga live im Fernsehen verfolgen. Durch die Berichterstattung der Fußball Weltmeisterschaften 2010 und 2014 im thailändischen  Fernsehen und dem Gewinn der Weltmeisterschaft hat das Interesse am deutschen Fußball immens zugenommen. Manuel Neuer, Thomas Mueller, Phillip Lahm, Mats Hummels, um nur einige zu nennen, sind in Fußball-Thailand gut bekannt. Natürlich haben auch die Erfolge von Bayer München in der Champions League die Bekanntheit des deutschen Fußballs hier gefördert.

Bayer 04 Leverkusen ist eine Kooperation mit Bangkok Glass FC eingegangen. Wie kann man sich diese Kooperation vorstellen?

Wir haben mit Bayer 04 Leverkusen schon seit  Jahren eine Partnerschaft.  Das ist kein offizieller schriftlicher Vertrag, aber eine sehr gute Kooperation. Unser Ansprechpartner ist Dirk Dreher, der fast jedes Jahr zu uns nach Thailand kommt. Und er arrangiert die Weiterbildung von unserem Personal bei Bayer 04 Leverkusen. Ebenso, wenn junge talentierte Spieler von Bangkok Glass FC zum Jugendleistungszentrum von Bayer 04 zum Training kommen. Und Dirk Dreher gibt dann seine Informationen von Bangkok Glass FC zu Rudi Völler weiter. Letzten Dezember machte einer unserer Jugendtrainer eine Fortbildung bei Bayer 04.

Hans R. Emser zu Besuch bei Bayer 04 Leverkusen©H.R.E.

Wie sehen Sie ihre Rolle als „Botschafter“ für den deutschen Fußball?

Ich bin jetzt seit rund 7 Jahren bei  Bangkok Glass FC. Alle hier wissen, dass ich aus Deutschland komme, einem der “ Heimatländer des Fußballs”. Gleichzeitig habe ich Thailand lieben gelernt, meine Frau ist eine Thailänderin, meine Freunde sind Thais und Deutsche. Mein Fußballwissen, meine deutsche Fußball Ausbildung gebe ich hier weiter. Ich bin und fühle mich nicht als “Besserwisser”, sondern lerne auch von den Thais. Und das führt zu einer guten Völkerverständigung und so sehe ich meine Rolle als “Fußball Botschafter“.